Farbroller vs. Streichbürste

Farbroller-vs-Streichbuerste

Um es vorwegzunehmen: Mein klarer Favorit ist die Streichbürste, alias Deckenbürste, Malerbürste, Quast… Warum, dass möchte ich ihnen im Folgenden näher erläutern.

Farbroller (oder auch Farbwalzen) gibt es in zahlreichen Breiten und Durchmessern, mit kurzer und langer Polhöhe, gepolstert und ungepolstert, aus Lammfell, Polyamid oder Mikrofaser, die wiederum mit Verdichtung und stabilisierten Fasern ausgestattet sind, schließlich texturiert oder wahlweise hochtexturiert sein können. Für jeden Einsatzbereich das Passende. Sie ahnen es. Im Baumarkt zum erstbesten und womöglich billigsten Modell zu greifen, ist nicht unbedingt zielführend.

Keine Frage, eine Farbwalze ist ein wirtschaftliches Instrument. Gegenüber einer hochwertigen Streichbürste ist ein Profiroller relativ günstig, die Abnutzung hält sich bei entsprechender Pflege in Grenzen und zügiges Arbeiten ist garantiert. Ach ja, dank angesteckter Teleskopstange muss man sich nicht einmal mehr in Richtung Farbeimer bücken.

Die Streichbürste hat auf den ersten Blick nur Nachteile. Teurer als sein rollendes Pendant, die Borsten nutzen sich recht schnell ab, werden kürzer und somit die Bürste unbrauchbar. Und da wäre noch der Faktor Zeit. Ein Quadratmeter Bürstenanstrich dauert etwa doppelt bis dreimal so lange, wie der gerollte.

Was also sollte einen Anstreicher motivieren, dennoch auf ein solch „antiquiertes“ Werkzeug zurückzugreifen? Sich unnötig mehr Arbeit aufzubürden kann es nicht sein. Monetäre Gründe sind es ebenfalls nicht. Errechnet sich doch der Quadratmeterpreis aus Materialeinsatz und Arbeitsaufwand. Mehr zu verdienen ist also nicht, könnte man doch in der gleichen Zeit die doppelte Fläche rollen. Es gibt nur einen einzigen, aber gewichtigen Grund: Ästhetik! Genauer: die Oberflächenästhetik!

Schauen sie sich eine mehrfach gerollte Wand einmal aufmerksam an. Was sie sehen erinnert stark an die Oberfläche einer Orangenschale. Bei weniger versierten oder eiligen Handwerkern kann es vorkommen, dass sich die frisch eingetauchte Rolle nicht richtig dreht. Unschöne Farbschlieren sind die Folge. Was in dunkleren Raumecken vielleicht nicht weiter auffällt, modelliert auf die Wand treffendes Streiflicht gnadenlos. Oft genug zeichnet sich jeder einzelne Rollenansatz streifenartig ab. Schön ist das nicht.

Natürlich hinterlassen auch die Borsten einer Streichbürste Spuren und auch diese werden im Streiflicht verstärkt. Allerdings fallen diese nicht unangenehm auf. Vielleicht mag das an unseren Sehgewohnheiten liegen. So sind zarte, längliche, sich in Grüppchen mal nach links, mal nach rechts, nach oben und nach unten wiegende Strukturen stets in der Natur präsent.

Zudem gibt es Farbsysteme, deren gerolltes Ergebnis einer Zumutung gleich kommt. Silikat-, Kalk- und Zell-Leimfarben beispielsweise. Diese Anstriche, insbesondere wenn kräftige pigmentgetönte Farben gewählt werden, ergeben selten ein homogenes Oberflächenbild, wie man es von Dispersionsfarben gewöhnt ist. Mit der Streichbürste lässt sich diese leichte Oberflächenschattierung und Scheckigkeit wunderbar steuern.

Und der Farbroller? Auch er hat natürlich seine Daseinsberechtigung. Auf rauen Putzoberflächen, stark strukturierten Gewebetapeten oder Raufaser fallen die oben genannten optischen Makel nicht weiter auf. Wenn Ästhetik nicht im Vordergrund steht, können natürlich auch „glatte“ Oberflächen schnell und günstig gerollt werden.

Ob sie sich letztlich für einen Anstrich mit der Streichbürste oder dem Farbroller entscheiden, ich hole für sie das Bestmögliche aus ihren Oberflächen heraus. Versprochen!

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