Fassadenrenovierung in Nürnberg – Grau. Weiß. Gelbgrün. Gähn.

Wie man es auch dreht. Gut wird es nicht.

Am Freitag habe ich am Marktkauf in Mögeldorf ein paar frisch aufgestrichene Farbmuster entdeckt. Hier wird offensichtlich in Kürze die Fassade renoviert. Sowohl von der Auswahl, als auch der Kombination der Farbtöne kann man nichts Gutes erwarten. Wo die Farbtöne im einzelnen positioniert werden sollen, ist nicht ersichtlich. Im Grunde spielt das aber auch keine Rolle, denn das Konzept – wenn es den eines gibt – muss aus verschiedenen Gründen scheitern.

Dem Zeitgeist scheint es zwar zu entsprechen, dass immer öfter übersättigte Farbtöne – hier Gelbgrün, an anderen Fassaden leuchtendes Orange oder knalliges Rot – mit Grau und Weiß kombiniert werden. Dieses Phänomen ändert aber nichts an der für jeden sichtbaren Tatsache, dass solche Farbe-Nichtfarbe-Kontraste in der Regel banal wirken und ein gewisses Maß an Unbedarftheit und Naivität beim Umgang mit Farben erkennen lassen.

Die bemusterten kalten Grautöne sind Farben ohne eigenen Charakter, trist und Symbol der angepassten Mittelmäßigkeit. Stellt man ihnen eine so grellbunte und künstlich wirkende Farbe wie Gelbgrün zur Seite, wird deren Aufdringlichkeit weiter gesteigert. In einem reinen Industriegebiet mag das keinen stören. Andernorts sorgt es aufgrund der befremdlichen visuellen Reize zwar kurzfristig für mehr Aufmerksamkeit, jedoch greifen sich solche Effekte sehr schnell ab. Was bleibt ist ein disharmonischer, misslungener Eingriff in ein Straßenbild, mit dem nun alle bis zur nächsten Fassadenrenovierung Leben müssen.

Ein weiteres Problem ist das zum Blau tendierende Grün des Marktkauf-Logos, das nicht mit dem Gelbgrün zusammen gehen will. Da dieses „Marktkaufgrün“ immer wieder rund um das Gebäude auftaucht, würde ich die Farbgestaltung um diesen Ton herum planen, ihn also einbinden.

Wichtig wäre auch, durch eine zurückhaltende Farbgebung etwas mehr Ruhe in die Flächen zu bringen. Denn durch die derzeit wild verteilte Werbebeschilderung sind die Flächen schon derart überfrachtet und zergliedert, dass sich ein Farbwechsel innerhalb der einzelnen Fassadensegmente eigentlich verbietet.

In jedem Fall bin ich gespannt. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich gerade ein so großes Handelsunternehmen seiner Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit bewusst ist und ein Gespür dafür entwickelt, welche Eingriffe in den öffentlichen Raum zumutbar sind.

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