Preis und Wirklichkeit

Tagezeitungen und Anzeigenblätter sind voll von Handwerkerofferten im Fließtextformat, die sich mit Attributen wie „billig“, „günstig“ und „preiswert“ unterbieten. Nicht selten werden Preise genannt die derart utopisch niedrig sind, dass eigentlich jedem sofort klar sein sollte, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Wie kommen solche Preise nun zu Stande, die ihnen kein seriös arbeitendes Unternehmen anbieten kann und anbieten wird?

Lockangebote

Das haben auch sie schon erlebt. Irgend eine Leistung oder ein Produkt wird ihnen zu einem unschlagbar günstigen Preis angeboten. Zum Beispiel der Tintenstrahldrucker. Den bekommen sie für 100 Euro. Beim Kauf der dazugehörigen Farbpatronen holt sich der Hersteller über die Jahre den viel zu niedrigen Preis des Gerätes von ihnen doch noch. Dieses System haben auch schlitzohrige Handwerker für sich entdeckt.

Zum vorgetäuschten 250 Euro billigen Renovierungsanstrich ihrer 50 qm² Wohnung summiert sich schnell das in ihrem Fall ach so aufwendige Abkleben der zu schützenden Flächen, hier und da sind ein paar Dübellöcher zu schließen und Tapetenstöße müssen nachgeklebt werden. Und überhaupt! So abgewohnt wie ihre Räume sind, da muss ein zweites Mal gestrichen werden. Ade Superschnäppchen.

Nachträge

Was bei Architekten und Bauherren regelmäßig für Schweißausbrüche sorgt, wird von einigen Handwerkern systematisch zur Gewinnmaximierung genutzt. Das „Grundangebot“ ist viel günstiger als das der Konkurrenz. Klar, da wird zugeschlagen. Im Laufe der Bauphase stellt sich dann nach und nach heraus, dass eigentlich notwendige Leistungen nicht mit Angeboten wurden. Aber keine Panik! Dafür schreibt man ihnen einen sogenannten Nachtrag, ein zusätzliches Angebot also, bei dem man dann richtig „hinlangt“. Sie Verstehen! Im Prinzip das Gleiche wie das Lockangebot von oben. Dass der seriöse Anbieter das alles schon in seinem – zwar Anfangs teureren – Angebot einkalkuliert hatte, erfahren sie wahrscheinlich nie. Glauben sie mir, am Ende zahlen sie drauf!

Wohl gemerkt ist hier nicht der berechtigte Nachtrag (unvorhersehbare Zusatzleistungen, Mehraufwand aufgrund von Änderungswünschen, etc.) gemeint!

Selbstausbeutung

Leider hält das Handwerk nicht für jeden den sprichwörtlichen goldenen Boden bereit. Ich habe über die Jahre zahlreiche Einzelkämpfer kennengelernt, die aus reiner Verzweiflung – getrieben von der Notwendigkeit überhaupt etwas zu verdienen – jeden sich bietenden Auftrag zu jedem noch so niedrigen Preis ausführen, ohne dabei das Lebensnotwendige verdienen zu können.

Nun kann man sich sagen: Kann mir doch egal sein! Nein, dass kann es eben nicht. Wenn ein Mensch für jeden offensichtlich unterhalb des Hartz4-Satzes überleben muss, von seiner Arbeit nicht einmal seine Krankenkassenbeiträge zahlen und schon gar nicht fürs Alter vorsorgen kann, dann ist es eine Frage von Moral und Anstand. Dann doch lieber einen Arbeitsplatz in einem seriösen Unternehmen sichern, auch wenn das ein paar Euro mehr kostet.

Sicher gibt es noch ein paar andere Gründe, die zum Anbieten von Niedrigstpreisen motivieren. Die aufgezählten begegnen mir allerdings im Gespräch mit Architekten und betroffenen Bauherren immer wieder. Während ein Lockangebot nur ihre Zeit verschwendet – sie können ja letztlich jemand anderen beauftragen – empfinde ich das vorsätzliche kalkulieren mit Nachträgen schon fast kriminell. Stellen sie sich vor, jedes der 12 Gewerke auf einer Baustelle überschreitet die ursprüngliche Kalkulation um 30 Prozent. Da mutiert das Traumhaus schnell zum Albtraum.

Mein Tipp: Beauftragen sie Spezialisten, die ihr Handwerk von der Pieke auf gelernt haben. Lassen sie den Parkettleger Parkett legen, den Fliesenleger Fliesen verkleben und den Maler malern…

 

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