Scheibenkratzer

Scheibenkratzen

Warum ich auch im Winter das Fahrrad bevorzuge

Mitleidig und oftmals auch belustigt nehme ich derzeit morgens aus dem Augenwinkel die fröstelnde Nachbarschaft, gehüllt in eine Abgaswolke – der Motor verlangt offensichtlich warmgelaufen zu werden – wahr, die dünne Eisschichten von Frontscheiben schabt. Hecktisches kratzen ist angesagt. Die Finger werden kalt.

Während also der/die ScheibenkratzerInnen mittlerweile einen Sehschlitz ins erste Seitenfenster ritzt, treffe ich ein paar Straßen weiter auf den Berufsverkehr. Zäh fließt er, der morgendliche Individualverkehr. Selten ist in den Fahrzeugen mehr als eine Person zu sehen. Geschmeidig schiebe ich mich vorbei. Aufpassen muss ich, ständig mit irrationalen Aktionen rechnen. Denn so viel ist klar: mit nur partiell freigelegten oder beschlagenen Scheiben fällt es schwer den Überblick im Straßengeschehen zu bewahren, wenn man beim Autofahren nebenbei aufs Smartphone starrt oder mit der Bordelektronik spielt.

Auch wenn es draußen etwas frischer wird erledige ich – wann immer möglich – meine Termine mit dem Rad. So kamen in diesem Jahr bereits gute 4000 Stadtkilometer zusammen. Warum ich mich nicht bequem ins Auto setze? Weil es mir Spaß macht und ich mit dem Rad am Morgen und am frühen Abend mindestens genauso schnell durch die Stadt komme, ich an der frischen Luft und in Bewegung bin. Und nach der Arbeit schnell mit dem Auto ins Fitnessstudio, um, Achtung: Bewegungsmangel zu kompensieren (solche Kandidaten gibt es tatsächlich!)? Brauche ich auch nicht!

Die Tage hatte ich einige Termine in Nürnberg-Schniegling. Mit dem Rad brauchte ich etwas mehr als eine halbe Stunde. Von Mögeldorf querdurch. Werktags zwischen sieben und acht Uhr. Versuchen sie das mal mit ihrem Auto.

Also fahre ich mit dem Rad. Nicht jede Strecke, die man theoretisch mit dem Auto zurücklegen kann, muss man auch damit fahren. Die Quittung für die allmorgendliche Bequemlichkeit bekommt man spätestens dann, wenn die Hüften breiter und Beweglichkeit eingeschränkter wird.

 

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